KulturGut Hasselburg, Altenkrempe

KulturGut Hasselburg, Altenkrempe

Gut Hasselburg liegt in der Gemeinde Altenkrempe im Kreis Ostholstein. Wenige spätbarocke Güter in Schleswig-Holstein sind bis in die heutige Zeit hinein so komplettt erhalten wie das Gut Hasselburg. Die Anlage wurde 2010 von der Stahlberg Stiftung erworben, um sie aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und den sich abzeichnenden Verfall aufzuhalten.

Gut Hasselburg ist ein imposantes Gesamtensemble, das den Besucher auf eine kleine Zeitreise einlädt. Im Westen begrenzt das Herrenhaus aus dem Jahr 1710 das Ensemble, welches sich zusammen mit zwei Kavaliershäusern um den Ehrenhof gruppiert. Durch eine Lindenreihe und einen Wassergraben wird dieser repräsentative Wohnbereich vom ehemaligen Wirtschaftsbereich getrennt, der nach heutigen Maßstäben nicht weniger imposant wirkt: zwei 70m lange Scheunen und ein prächtiges Torhaus aus dem Jahre 1768, das den Auftakt bildet.
Während Herrenhaus und Kavaliershäuser von den ersten Schritten der Umgestaltung nur marginal betroffen sind, baut die Kulturstiftung die sich um den Wirtschaftshof gruppierenden Gebäude komplett um. Die mächtige Reetdachscheune im Norden bietet komfortablen Raum für Theater- und Konzertveranstaltungen. Das spätbarocke Torhaus mit der zentralen Durchfahrt erfährt mit einer Vielzahl von modernen Ferien- und Künstlerwohnungen eine Neuinterpretation ebenso wie das Kuhhaus im Süden, das zukünftig verschiedene Museen beherbergen wird.
Dem Torhaus östlich vorgelagert ist ein von Mauern umgebener Garten, der den Besucher von Altenkrempe kommend empfängt. Eine Lindenallee mit Bäumen aus dem 18. Jahrhundert wird im Zuge der Maßnahme von der Gemeinde auf Grundlage eines Gestaltungskonzeptes saniert und durch Neupflanzungen ergänzt.
Ebenso wie bei dem respektvollen Umgang mit der denkmalgeschützten Architektur unterwirft sich die Gestaltung der Außenanlagen dem gestalterischen Duktus der barocken Anlage. Die große zentrale Hoffläche wird vollkommen frei von zusätzlichen Einbauten gehalten. Die Pflasterflächen entlang der Gebäude und im Bereich der Zufahrt werden in dem historisch verwandten Feldstein hergestellt und erhalten zugunsten einer bessere Begehbarkeit klare Bänderungen aus großformatigen Betonplatten. Die vorhandene Rasenfläche der ehemaligen Wirtschaftsflächen für Erntearbeiten wird grundsätzlich erhalten, aber in ihrer Form klarer gefasst. Es wird bewusst auf die Gestaltsprache formaler Gartenanlagen verzichtet, da die Veränderungen der neuen Nutzung entsprechen und somit Ausdruck der Jetztzeit sind.
Das Torhaus erhält auf der hofabgewandten Gartenseite Austritte auf kleine Kiesterrassen. Diese bewusst informell gehaltenen Öffnungen respektieren den vorhandenen, sehr markanten Feldsteinsockel des Torhauses. Die vorgelagerten Stufen sind aus dem gleichen klaren Betonstein wie die Platten im Innenhof und werden lediglich vor die Fassade gestellt, ohne den Kontakt mit dieser zu suchen. Alt und Neu stehen bewusst nebeneinander. Von den Terrassen lässt sich der Blick in den Obstgarten genießen, der von mannshohen Klinkermauern gefasst wird.
Die nur temporär bei Veranstaltungen genutzten Stellplätze für die Besucher der Anlage wurden in Schotterrasen hergestellt. Die parallel zur Allee außerhalb der Hofanlage erstellten Stellplätze fügen sich so an den vielen Tagen der Nichtnutzung harmonisch in die umgebende Agrarlandschaft ein.

Bauherr: Stahlberg Stiftung
Architekt Torhaus: biwer mau architekten, Arch. Reetscheune: v.Bismarck Architekt
LPH: I – VIII, Planung / Bau: 2011 – 2013
Bearbeitungsfläche: 22.000 m2